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Schäfer – eine bedrohte Art

Wir machen das Beste draus. Richtig gute Kleidung aus norddeutscher Wolle.

Für gute Wolle brauchen wir gute Schafe von guten Schäfer*innen. Davon gibt es nicht mehr viele. Und es werden immer weniger. Ein Job, bei dem man bei Wind und Wetter draußen ist, keinen Feierabend oder Urlaub kennt und der dazu noch schlecht bezahlt ist, ist einfach nur was für Überzeugungstäter.

Was macht ein*e Schäfer*in?

Schäfer*in ist einer der ältesten und vielfältigsten Berufe. Schäfer verdienen ihr Geld mit Vermarktung von Schaferzeugnissen (Fleisch, Milch, Wolle) und mit Landschafts- oder Deichpflege. Das heißt, ihre Schafe beweiden Flächen, die entweder anders nicht wirtschaftlich kurz gehalten werden können oder die vom Verbiss der Schafe ökologisch profitieren. Das betrifft z.B. Heideflächen, auf denen die Heidepflanzen geschnitten oder abgebissen werden müssen, damit sie nicht verholzen und blühen können. Außerdem muss auf diesen Flächen das Aufkommen von kleinen Bäumen und Sträuchern verhindert werden, weil sonst die Heidefläche irgendwann nur noch Wald und nicht mehr Heide wäre.

Ähnlich ist es mit der Deichpflege. Das Gras muss ab, denn es dürfen sich keine Bäume und Sträucher ansiedeln, weil sie die Struktur des Deiches lockern würden. Die Schafe trampeln außerdem mit ihren kleinen Hufen den Deich schön fest und Mauselöcher zu. Das nennt man den „goldenen Tritt“.

Welche Flächen wie lange von Schafen beweidet werden sollen, verhandeln Schäfer*innen mit den Eigentümer*innen oder Pächter*innen der Flächen.

Ganz „nebenbei“ kümmern sich die Schäfer*innen natürlich um das Wohlergehen der Tiere, pflegen kranke und schwache Tiere, stehen ihnen als Geburtshelfer*innen und bei der Aufzucht der Lämmer bei, finden geeignete Futterplätze und schützen die Herde vor Gefahren.

Erwerbssituation Schäferei

Alles in allem arbeiten Schäfer weit unter Mindestlohn und mit unglaublichen Arbeitszeiten, vor allem wenn sie selbständig sind. Angestellte Schäfer gibt es leider viel zu wenige. Jeder Deichverband könnte doch Schäfer anstellen und “Dienstschafe” die Deiche beweiden lassen…

Aber die Vielfalt dieses Berufes nimmt ab: kaum eine Schäferei schlachtet noch selbst (oder darf noch selbst schlachten) und die meisten Schäfer scheren nur einzelne Tiere zwischendurch selbst. Die Vermarktung der eigenen Produkte fällt aus Zeitgründen meist hinten runter. Bei Verkauf der lebenden Tiere an Fleischhändler und Einsatz von professionellen Schertrupps schwindet der Erlös beträchtlich. Die Einnahmequellen versiegen allmählich.

Konnten Schäfer*innen früher ihr Einkommen durch den Verkauf der Wolle aufbessern, bringt die Schafwolle derzeit keinen Erlös. Im Gegenteil: Die Schur kostet meist mehr als der Verkauf der Wolle einbringt. Zur Zeit liegt der Rohwollpreis bei ca. 0,30€ (Merino ca. 1,50€). Für eine kostendeckende Schur müsste die Wolle einen Ertrag von mindestens 1,50€ bringen. Erst darüber wird aus Rohwolle Einkommen.

Wollpreis

Der Wollpreis ist seit vielen Jahren sehr viel zu niedrig. Wir wollen das ändern. Dafür müssen wir aber die Qualität des Rohstoffs verbessern, um die Nachfrage anzukurbeln. Für eine bessere Wollvlies-Qualität muss die Wolle direkt bei der Schur gut sortiert werden. Doch dafür braucht man natürlich zusätzliche Arbeitskraft. Und die muss auch bezahlt werden.

Kostet ein Kilogramm Rohwolle statt 0,50€ (guter Preis beim Wollhändler) 1,50€ (kostendeckende Schur) oder besser noch 3,00 € (kostendeckend für Schur und Sortieren, plus ein bisschen Verdienst), macht das keinen sehr großen Unterschied im Preis des Endprodukts – wenn das Endprodukt ein hochwertiges Produkt ist und nicht nur Düngepellets.

Beispiel: ein Strickpulli wiegt 500g. Dafür braucht man 1kg Rohwolle. Der Pulli kostet im Laden 180€, bei einem guten Rohwolle-Preis von 3€/kg kostet er 5-6€ mehr. Das ist doch zu verkraften, oder? Vor allem, wenn man weiß, dass das wirklich beim Hersteller des Rohstoffs ankommt!

Ach ja, und was ihr noch tun könnt, um die Schäferei zu unterstützen, ist: leint eure Hunde in Nähe von Schafherden an, geht nicht nah an die Zäune und esst – wenn überhaupt – regionales Lammfleisch!

Qualitätssteigerungen

Wie holt man nun das Beste aus norddeutscher Wolle? Es gibt verschiedene Stellschrauben zur Qualitätsverbesserung im fertigen Produkt:

  1. besser sortieren bei der Schur
  2. eine feinere Faser aussuchen = entweder eine Schafrasse mit feiner Faser oder Lammwolle extra sortieren
  3. in der Verarbeitung

1. Besseres Sortieren bei der Schur

Daran arbeiten wir mit unserer Schäferei seit mehreren Jahren. Wir haben in Europa leider nicht die Erfahrungen und Einrichtungen wie die Schäfereien in Australien. Dort gibt es extra große Schurhallen und professionelle Wollsortierer. Hierzulande haben viele Schäfereien noch nicht einmal Ställe, in die alle ihre Schafe passen. Die Ställe sind normalerweise nur Krankenstation und Geburtsstation und in kleineren Bereichen werden die Schafe abgesondert, die in den nächsten Tagen zum Schlachter gefahren werden.

Die Schur ist immer ein großer organisatorischer Aufwand für die Schäferei. Scherer müssen bestellt werden, die Ställe frei geräumt und gesäubert werden, Absperrungen aufgebaut werden, Verpflegung für alle helfenden Hände besorgt werden und so weiter. Und dann muss auch noch das Wetter mitspielen: Es muss trocken bleiben und darf in den darauf folgenden Tagen nicht zu kalt werden.

Der Schurablauf wird möglichst störungsfrei organisiert, so dass man sich nicht gegenseitig im Weg steht und die Schafe auch nicht. Die Scherer arbeiten im Akkord und werden pro Tier bezahlt. Gute Scherer schaffen 100 Tiere am Tag. Das Scheren und auch das Anreichen der Schafe ist ein Knochenjob.

Idealerweise werden die Schafe schon vor dem Scheren nach Farben sortiert. Das vermindert das Verschleppen von dunklen Fasern in die weiße Wolle. Sind die Wege zwischen Pferch und Scherer kurz, entlastet das die Anreicher und sie haben auch am Abend noch genug Energie, sorgsam mit den Schafen umzugehen. Die Wollsortierer sind dafür verantwortlich, die Vliese in die richtigen Säcke zu packen, den Dreck auszusortieren, die Wollsäcke zu stopfen und zu verschließen, neue Wollsäcke vorzubereiten, den Scherplatz zu säubern und dabei nicht dem Scherer ins Gehege zu kommen.

Drum herum treiben die Schäfer geschorene Schafe wieder raus aus dem Schurbereich und bringen den nächsten Schwung Schafe herein. Alles in allem ist so eine Schur ein sehr großer Aufwand an Arbeitszeit und Material. Und eingefahrene Abläufe lassen sich nur langsam ändern. Manches stellt sich als unpraktisch heraus, was man sich vorher so toll ausgedacht hat – dann ändern wir das im nächsten Jahr. Die Optimierung des Schurprozesses dauert also gerne mal mehrere Jahre.

2. Eine feinere Faser aussuchen

Für eine feineres, weicheres Produkt kann man auch eine feine Faser suchen – entweder nimmt man Wolle von einer anderen Schafrasse mit feineren Fasern wie zum Beispiel Merinofleischschaf. Oder man sortiert die Wolle aus der ersten Schur, die Lammwolle, extra. Lämmer haben dünnere Fasern als ältere Tiere. Je älter das Tier, desto dicker werden die Fasern. Bei Lammwolle wird der „Pieksfaktor“ auch dadurch reduziert, dass die Faser nur eine Schnittstelle hat. Das andere Ende der Faser läuft ganz fein aus – das ist das Ende, mit der das Haar durch die Haut kommt.

3. Verarbeitung auf die Faser anpassen

Die Verarbeitung der Faser zu Garn oder textiler Fläche bietet viel Spielraum für Optimierung. Spinnverfahren, Spinndrehung, Web- oder Strickmuster, Ausrüstung und sogar die Schnittführung beeinflussen den Kuschel- und Wohlfühlfaktor im fertigen Kleidungsstück. Das, was für „Standard-Merinofasern“ gilt, passt oft nicht für norddeutsche Wolle. Wir haben viel ausprobiert und Fachleute nach Alternativen gelöchert. Manches Mal haben wir Sachen gemacht, „die man nicht macht“. Herausgekommen sind Stoffe und Kleidungsstücke, die kaum einer der norddeutschen Wolle zugetraut hat!

Was können wir tun?

Alles in allem machen Schäferinnen einen harten und wichtigen Job. Mit unseren Produkten wollen wir sie unterstützen, von ihrer Arbeit leben zu können. Wir wollen dem Berufsstand der Schäferinnen als auch den Tieren mit ihrer wertvollen Wolle zu mehr Wertschätzung zu verhelfen.

Darum entwickeln wir hochwertige Produkte. Denn:

Wir machen des Beste draus. Richtig gute Kleidung aus norddeutscher Wolle.

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