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Wie ein Kleidungsstück aus Wolle entsteht

Wie entsteht ein Kleidungsstück aus Wolle?

1. Scheren + sortieren

Der erste Aufwand für bessere Qualität im Endprodukt beginnt spätestens beim Scheren: die Dreckwolle von „Bauch, Beine, Po“ muss aussortiert werden. Der Scherplatz muss sauber sein und bleiben. Sortieren nach Farben ist wichtig, wir sortieren auch die Lammwolle aus der ersten Schur separat.

2. Waschen

Beim Waschen werden Lanolin, Sand, Dreck und Schweiß (Salze) ausgewaschen. Die Menge der Rohwolle schrumpft um 40%. Lanolin bleibt nur noch zu einem Anteil von unter 0,5% in der Wolle. Mehr Fett würde die modernen Textilmaschinen verkleben. Ältere Maschinen können evtl. auch etwas mehr Fett vertragen, müssen dann aber aufwändig von Hand gereinigt werden. Aber auch hier verlieren wir leider die wasserabweisenden und heilenden Eigenschaften des Lanolins.

3. Kardieren

Auf einer Krempelmaschine werden die Fasern gebürstet, nachdem sie ein Wolf ordentlich in kleine Wollflocken aufgelockert hat. Ein guter Krempel besteht aus drei Stufen, zwischen den Stufen wird das entstandene Vlies immer wieder zusammengelegt und die Richtung geändert. Am Ende des Krempels läuft entweder ein breites, sehr dünnes Vlies heraus (z.B. fürs Filzen oder für Bettdecken) oder das Vlies wird zum Kardenband zusammengelegt oder das Nitschelwerk teilt das Vlies in viele kleine Stränge, dem Vorgarn. Wird direkt aus diesem Vorgarn gesponnen, entsteht Streichgarn.

4. (Strecken und Kämmen)

Für Kammgarn läuft das Kardenband erst durch die Strecke und dann durch den Kamm. In der Strecke wird das Kardenband auseinandergezogen, so dass sich die Fasern weiter in eine Richtung ausrichten und kurze Fasern herausfallen. Das Band läuft mehrmals durch die Strecke und wird immer wieder zusammengelegt und wieder gestreckt. (Von hier aus Spinnen ergibt Halbkammgarn). Anschließend läuft das Band durch den Kamm. Hier wird tatsächlich gekämmt und im entstehenden Kammzug liegen die Fasern alle parallel und die kurzen Fasern sind alle entfernt. Die ausgekämmten Fasern nennt man Kämmling, sie können als Streichgarn weiterverarbeitet werden. Zum Spinnen wird der Kammzug wieder geteilt und gestreckt zum Vorgarn.

5. Spinnen

Beim Spinnen wird aus dem Vorgarn Garn. Je nach Vorbereitung entsteht Streichgarn oder Kammgarn. Streichgarne sind in der Regel fluffiger und werden nicht so stark gedreht. Es stehen viele Enden aus dem Garn. Kammgarn ist glatter, kann dünner ausgesponnen werden und ist oft auch stärker gedreht. Es ist kerniger im Griff, das Bild in der Fläche ist klarer und glatter. Evtl. wird das Garn noch gezwirnt, das heißt zwei oder mehrere Fäden werden umeinandergewickelt zu einem neuen, dickeren Garn. Dabei dreht die Zwirnung entgegengesetzt zur Spinndrehung. Das nimmt den Drall aus dem Garn. Gezwirnte Garne sind stabiler und oft glatter, lassen sich aber nicht so gut walken wie Einzelfäden.

6. Weben / Stricken

Jetzt geht es in die Fläche bzw. beim Stricken evtl. gleich in die Form.

7. Färben

Das Färben kann an verschiedenen Stellen im Prozess passieren und hat dann unterschiedliche Auswirkungen. Erster Punkt wäre direkt nach dem Waschen, „in der Flocke”. Will man ein meliertes Garn, färbt man in der Flocke und spinnt dann verschiedenfarbige Fasern. Zweiter Punkt wäre das Färben des Garns, dritter Punkt färben des Stoffes (heißt auch Stückfärbung) und vierter Punkt färben des fertigen Produkts (Stückfärbung)

8. Ausrüsten

Ausrüsten heißt alles, was nach dem Herstellen der Fläche passiert: waschen, bügeln, färben, walken, brennen, carbonisieren, rauhen, scheren, plissieren, stärken, beschichten… Hier gibt es ganz „harmlose” Behandlungen bis hin zu bösen Chemie-Schleudern.

9. Nähen/ Konfektion

Und dazu gehört auch Schnittentwicklung, Gradieren (auf verschiedene Größen anpassen), Zubehör wie Garn, Knöpfe und Labels aussuchen, auszeichnen.

Du siehst: In einem Kleidungsstück steckt wahnsinnig viel Arbeit. Kein Wunder also, dass Kleidung früher, als man das alles noch selber machen musste, richtig wertvoll war. Heute sind wir extrem „verwöhnt“ von den billigen Preisen der Fast Fashion Industrie, die so aber nur funktionieren kann, weil jemand anderes schon den Preis gezahlt hat – manchmal sogar mit dem Leben. Wir wollen der norddeutschen Wolle und der Kleidung daraus ihren Wert zurückgeben und produzieren darum konsequent transparent und radikal nachhaltig. Bessere Kleidung für eine bessere Zukunft.

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