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Schafe – unsere Helden

In der Heide, im Deichvorland und auf den Deichen selbst sieht man sie oft: Schafe. Sie gehören zum Wendland und pflegen schon seit Jahrhunderten unsere Kulturlandschaften. Zeit, sich die Tiere einmal genauer anzusehen.

Deichschafe für Deichpflege

Deiche gibt es nicht nur an der Nordsee. Hier im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe sind die Elbe und ihre Zuflüsse eingedeicht. Das sind unzählige Kilometer künstliche Hügel in der sonst flachen Landschaft. Und diese „Hügel“ müssen gepflegt werden, damit sie ihre Funktion behalten.

Zum einen müssen sie stabil bleiben – mit einer festen Grasnarbe, die die Oberfläche zusammenhält. Aber ohne Büsche und Bäume, die sich gerne auf offenen Flächen ansiedeln. Und ohne Gänge von irgendwelchen Tieren quer durch den Deich.

Zum anderen müssen die Deiche gut kontrollierbar bleiben – es darf also kein hohes Gras darauf wachsen.

Genau darum kümmern sich Schafe: sie halten das Gras kurz. Wenn das Gras nachwächst, bildet es mehr Wurzeln für eine feste Grasnarbe. Büsche und Bäumchen werden schon im Frühstadium einfach weggefressen und die Hufe treten Gänge von Maulwurf, Maus & Co. wieder zu. Nur Nutrias muss der Mensch noch selbst vom Deich fernhalten 😉

Schafe für die Landschaftspflege

Nicht nur auf den Deichen, auch in anderen Gebieten werden Schafe eingesetzt. Wir leben in einer Kulturlandschaft, das heißt unsere Landschaft wird schon seit Jahrtausenden vom Menschen für seine Zwecke genutzt und gestaltet. Diese Nutzung hat sich über die Jahrhunderte gewandelt. Hat man z.B. früher die Heideflächen auch wirtschaftlich genutzt, dienen sie heute hauptsächlich der Erholung. Damit Heide aber Heide bleibt, muss sie „genutzt“ werden: das Heidekraut muss gemäht oder abgefressen werden, damit sich die Pflanze immer wieder verjüngt und zur Blüte kommt. Das ist ein Beispiel für Landschaftspflege. Schafe fressen das Heidekraut kurz und halten gleich auch Birken und andere Bäume klein. Sie erhalten damit die typische Heidelandschaft.

Das gleiche gilt für viele andere geschützte Landschaften wie Magerrasen oder Wacholderhaine.

Schafe für den Klimaschutz

Schafhaltung hat aber auch einen direkten Einfluss auf den Klimaschutz. Die Beweidung von Wiesenflächen bindet CO2, da für jedes abgeknabberte und nachwachsende Stängelchen genauso viel Wurzel wieder nachwächst. Das heißt, jede beweidete Fläche hat deutlich mehr Wurzelwerk unter der Erde als sichtbare Grashalme. Diese ganze Biomasse bindet CO2 und Wasser und hilft gegen Erosion.

Schafe für den Umweltschutz

Schafe erhalten nicht nur Naturlandschaften, so dass die darin lebenden Pflanzen und Tiere ihr zu Hause behalten. Vor allem Schafe in der Wanderschäferei tragen dazu bei, dass diese Ökosysteme vernetzt werden. In ihrer Wolle tragen sie Samen von einem zum anderen Gebiet. Davon profitiert die Biodiversität in besonderem Maße.

Schafe für Fleisch, Milch und Wolle

Fleisch, Milch und Wolle waren der Grund, warum Schafe vor Jahrtausenden domestiziert wurden. Und zwar kam alles drei von einem Schaf, es war ein „Drei-Nutzen-Tier“. Heute gibt es Rassen, die auf eines der Produkte hin gezüchtet wurden. Man unterscheidet Milch-, Fleisch- und Wollschafrassen. In Deutschland überwiegen die Fleischschafe. Das klassische Wollschaf ist eigentlich ein Merinoschaf – aber in Deutschland werden selbst Merinoschafe hauptsächlich für den Fleischertrag gehalten. Australische Merinoschafe sind eine eigene Rasse und ganz klar auf möglichst viel und möglichst feine Wolle gezüchtet. Für feine Wolle braucht man nicht nur das richtige Schaf, sondern auch das richtige Klima. Deswegen ist deutsche Merinowolle etwas ganz anderes als Übersee-Merino.

Was sind nun eigentlich Deichschafe?

Was wir so als „Deichschaf“ bezeichnen, ist gar keine eigene Rasse. Die meisten Schäfer haben ihre „Lieblingsrassen“, die gut zu ihrem Standort, Klima und ihrer Wirtschaftsweise passen. Nicht alle Schäfereien halten reinrassige Schafe, oft läuft da ein bunter Mischmasch über die Deiche. Diese Mischlinge haben wir augenzwinkernd „gemeines Deichschaf“ getauft.

Als Rassen sind hier zum Beispiel üblich:

  • Schwarzkopfschaf – als reines Fleischschaf geht die Wolle für skandalöse 0,20€ weg
  • Merinofleischschaf – ein großes Schaf mit viel Masse. Im Winter müssen Merinoschafe in den Stall, weil es hier zu nass ist.
  • Coburger Fuchs – sie werden zur Landschaftspflege und für Fleisch gehalten. Ihre Wolle ist etwas für Liebhaber aufgrund der rötlichen Farbe.
  • Pommersches Landschaf – es dient hauptsächlich zur Landschaftspflege und bringt graue Wolle.
  • Suffolk – ist ein sehr großes Fleischschaf.
  • Bentheimer Landschaf – es wird zur Landschaftspflege gehalten.
  • Bergschaf – ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Bergschafrassen. Sie haben oft braune Wolle.
  • Milchschaf – wird, wie der Name schon verrät, für die Schafmilch gehalten. Oft sind braune Schafe dabei.
  • Heidschnucke – sie dient der Landschaftspflege. Heidschnucken haben nur wenig feine Unterwolle und hauptsächlich sehr grobe, lange Haare. Ihre Wolle ist nur schwierig zu verarbeiten.

Einteilung nach Wolle

Man kann Schafe auch nach ihrer Wolle einteilen in feinwollig, mischwollig, schlichtwollig und in Haarschafe.

Haarschafe fallen für uns raus, weil sie eben keine „Wolle” haben, sondern nur Haare. Eine Ausnahme sind z.B. Heidschnucken, Moorschnucken und Zackelschafe (offiziell mischwollig). Ihre Deckhaare sind extrem lang und dick, die Unterwolle aber sehr weich. Um die Wolle dieser Schafe gut nutzen zu können, müssen die beiden Fasersorten getrennt verarbeitet werden.

Die gängigen Landschafrassen sind misch- oder schlichtwollig. Das heißt ihre Wollfasern sind wenig gekräuselt/gekrimpt, es gibt Deckhaare und Grannenhaare oder Stichelhaare. Das Vlies ist wenig fettig. Landschafrassen schützen sich vor Regenwetter nicht mit dem Fett in der Wolle (ca 5-10%), sondern die Grannenhaare leiten das Wasser aus dem Vlies.

Die feinwolligen Schafrassen sind die Merinorassen. Die Faser hat einen deutlichen Crimp, dieser macht die Faser (und dann auch das Garn daraus) sehr elastisch. Merinowolle gilt als besonders fein und weich, denn Merinorassen haben keine Grannenhaare. Wetterschutz funktioniert hier über Fett im Vlies (ca. 20%). Deshalb müssen Merinos in Norddeutschland im Winter in den Stall, während die Deichschafe das ganze Jahr über draussen sind.

Deichschafwolle

Deichschafwolle ist also keine australische Merinowolle. Das haben wir nun geklärt. Deichschafwolle ist anders. Anders gut. Nach langem Tüfteln ist es uns gelungen, ein wirklich hochwertiges, weiches und dünnes Garn aus unserer norddeutschen Deichschafwolle zu entwickeln. Wir wollen, dass diese Ressource richtig genutzt wird, denn Wolle kann von Natur aus, was viele High-Tech-Materialien – wenn überhaupt – nur mit viel Chemie erreichen: Sie ist atmungsaktiv, wasserabweisend, temperaturregulierend und dabei total pflegeleicht.

Das liegt an ihrer besonderen Struktur: Die Wollfaser ist von einer wasserabweisenden Hülle umgeben. Dadurch wird auch das fertige Textil – in Maßen – wasserabweisend. Ein Mantel aus Wollloden bringt seinen Trägerin trocken durch einen Regenschauer. Zugleich hat der Kern der Faser eine hohe Wasseraufnahmekapazität. Dadurch wärmt Wolle auch noch, wenn sie nass ist. Aber auch bei hochsommerlichen Temperaturen macht sich der Effekt bemerkbar: Statt verschwitzt und klebrig fühlt sich Wolle lange trocken an und kann sogar einen kühlenden Effekt haben. Darum wird Wolle oft als temperaturausgleichend beschrieben.

Außerdem ist Wolle viel pflegeleichter, als man denkt. Sie nimmt kaum Gerüche an, stößt Schmutz ab und bietet Bakterien keinen Nährboden. Wird sie doch einmal dreckig, kann grober Schmutz oft einfach abgebürstet werden. Dadurch muss Wolle nur sehr selten gewaschen werden. Lüften genügt meistens. Das macht Wolle ganz besonders wassersparend im Gebrauch und man benötigt automatisch weniger Textilien. Kleidung aus Wolle sieht den Wäschekorb eben selten von innen.

Alles in allem ist dieser Rohstoff doch viel zu wertvoll, um ihn nicht zu nutzen. Oder?!

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